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Die Entwicklung der Uferschwalbenpopulation an den "Bielener Kiesseen"

Ein zusammenfassender Überblick zur Situation der Uferschwalbe in den letzten 40 Jahren in der Goldenen Aue

Uferschwalbe

Die Uferschwalbe brütete schon lange in der Umgebung Nordhausens. Erste Nachweise wurden für das Jahr 1937 gemeldet. 1966 wird eine kleine Brutkolonie von Willi Herrmann, Bielen, in einer der ersten Kiesgruben am Südrand von Nordhausen erwähnt... Außerdem brüteten einige Paare in abgebrochenen steilwandigen Uferzonen des damals sehr stark mäandernden Zorgeflusses. Durch Flußbegradigungen und Uferbefestigungen sind Abbruchkanten am Flusslauf der Zorge heute sehr selten geworden.

Besondere Bedeutung haben die Kiesseen für die Uferschwalben. Die Kieslagerstätten sind mit etwa 100 cm Auelehm bedeckt. Die Abbruchkanten der Ufer bieten der Vogelart gute Brutmöglichkeiten, da sie bekanntlich ihre Röhren in die Steilwände graben. Durch andauernde Veränderungen der Uferbereiche unterliegt die Bestandsentwicklung jedoch großen Schwankungen. Abbruch der Kanten, Verhärten oder Verkrauten der Wände und Abtragen des Mutterbodens beeinträchtigten in hohem Maße Erweiterung oder Fortbestand der Brutkolonien.
Weiterhin wurden oft kleine Kolonien durch unbefugte Zugriffe (Ausgrabungen oder Verstopfungen der Röhren mit Steinen) zerstört. Durch die Erweiterung der Kiesseen konnte die Art aber immer neue Brutareale finden.

Wie schon dargestellt, mussten wegen andauernden Veränderungen im Gebiet die Uferschwalben oft neue Brutplätze suchen. Dabei bauten sie ihre Röhren auch in aufgeschobene Schwemmsandhaufen, die jedoch dem rückfließenden Wasser von den in der Nähe betriebenen Förderbändern nicht standhalten konnten. Die Brüten wurden immer wieder zerstört. Auch bestand an diesen Sandhügeln für Marder, Wiesel und Fuchs die Möglichkeit, leicht an eine begehrte Beute heranzukommen. Ein Anlass, eine Veränderung der Verhältnisse zu versuchen.

Schwemmsand ist ein Abprodukt der Kieswaschanlagen und des Förderband¬transportes. Er besteht aus feinen Sedimenten, die nicht so schnell verhärten wie andere Erden. Er eignet sich vorzüglich für die Anlage von Brutröhren, wenn äußere Einwirkungen ferngehalten werden können. Die Betriebsleitung der Kieswerke Nordhausen stand Vorschlägen zur Verbesserung der Brutmöglichkeiten für Uferschwalben und den Interessen der Ornithologen von Anfang an sehr aufgeschlossen gegenüber.

In guter Zusammenarbeit wurden durch die Kieswerke an einigen geeigneten Stellen Steilwände aus Schwemmsand errichtet, die in guten Jahren mehreren Hundert Uferschwalbenpaaren zur Anlage ihrer Brutröhren dienen. Vor einigen Jahren gingen die Zahlen leider zurück, jedoch ist diese Entwicklung noch nicht eindeutig zu interpretieren, da starke jährliche Bestandsschwankungen und Umsiedlungen für die Art typisch sind (BAUER & BERTHOLD 1969).


Für Uferschwalben angelegte Sandwand


Die Schaffung neuer Steilwände ist daher aus Naturschutzsicht dringend zu empfehlen. Kiesseen stellen wichtige Ausweichhabitate für die Uferschwalbe dar, deren natürliche Neststandorte im Binnenland (Prallhänge von Fließgewässern) in Mitteleuropa weitgehend verschwunden sind (FLADE 1994).

Im Bereich der Zorge zwischen Windehausen und Heringen wurden durch Frühjahrshochwasser an einigen Stellen die Ufersäume ausgespült.
So fanden 1994 - 3 und im Jahr 2000 - 22 Brutpaare Möglichkeiten ihre Röhren in die entstandenen Abbruchkanten zu graben, dieses sind aber Ausnahmen, da die Ufer bald wieder begradigt wurden.
Durch Zählungen von Brutpaaren beziehungsweise beflogenen Röhren wurde versucht, die Bestandsentwicklung zu verfolgen und festzuhalten. Auf eine genaue alljährliche Bestandsaufnahme wurde verzichtet, um unnötige Störungen zu vermeiden.

Angaben zu beflogenen Röhren im Gebiet der Kiesseen, wobei natürlich auch die Kiesseen Windehausen und Heringen mit einbezogen worden sind, waren im Bereich 1971 bis 1977 ca. 12 bis 15 beflogene Röhren notiert.
So steigerten sich die Zahlen 1978 auf 30. 1980 waren es bereits 95 und 1981 stieg die Röhrenzahl auf 297 an. Hier kann man durch die Erweiterung der Kiesseen auch das größere Angebot von Brutmöglichkeiten erkennen.

Unter Schwankungen zog sich die Population bis l986 mit 210 beflogenen Röhren hin, doch l987 stieg die Brutpaarzahl auf enorme 505 an. In den folgenden Jahren sah die Entwicklung wie folgt aus:


      1988 - 900 Röhren
      1989 – 1038, die höchste Brutröhrenzahl seit des Bestehens der Kiesseen
      1990 – 846 Röhren
      1991 – 463 Röhren, ein starker Rückgang der Art
      1992 – 732 Röhren, hier wieder Anstieg
      1993 – 783 Röhren
      1994 – 496 Röhren
      1995 – 465 Röhren
      1996 – 441 Röhren
      1997 – 146, das Jahr mit dem größten Rückgang an Brutpaaren

Uferschwalbenkolonie


Ein holländisches Ornithologen-Ehepaar interessierte sich im August 2008 sehr für die künstliche Uferschwalben-Kolonie und war sehr davon beeindruckt.
 
Nun wurde weiter versucht Nisthilfen zu schaffen, so wurden 1998 transportable Betonwände, die nicht mehr benötigt wurden, mit Bohrlöchern versehen und an geeigneter Stelle aufgestellt. Zur Vermeidung von Parasitenbefall und zur Unterstützung des Appetenzverhaltens muss die Brutröhre erneuert werden. Um dies zu gewährleisten wurden an der Rückseite, genau oberhalb der Bohrungen, Plastetafeln mit einer Tiefe von mindestens 60 cm angebracht. Diese Plastetafeln liegen auf Winkeleisen auf, welche an der Betonrückwand befestigt sind. Die Aufgabe der Plastetafeln bestehen darin, die darunterliegenden Brutröhren vor nach rutschendem Sand zu schützen.

Ein Zugriff von Raubzeug, wie Marder, Wiesel oder Fuchs, ist somit verhindert, auch kann das Wetter dieser Wand keinen Schaden zufügen.
Diese Idee von Herrn Waldemar Flämming, Mitarbeiter der Betriebsleitung der Kieswerke (jetzt im Ruhestand), wurde in die Tat umgesetzt und mit Erfolg belohnt. Innenprofil der AnlageAlle Röhren wurden beflogen.
 
Diese Leistung ist besonders zu würdigen, kann man doch diese Anlage jedes Jahr erneut nach Reinigung und Neuaufbereitung den Uferschwalben wieder anbieten.

Eine Säuberungsaktion ist für jedes Frühjahr, Ende April eine interessante Arbeit für die Ornithologen. Im Bild sind die gegrabenen Röhren der Uferschwalben gut zu erkennen. Eischalenreste und auch tote Jungvögeln sind oft noch zu sehen, auch nutzten Zwergfledermäuse die Röhren zur Überwinterung oder als Schlafplatz.
 
Außerdem wurde noch ein Metallschrank installiert, in dem 3 Brutröhren enden. Im Schrank wurde ein Kasten angebaut, mit Sand gefüllt und mit einer Glasplatte abgedeckt die wiederum abgedeckt wurde. Die Erfolge sprechen für sich, 1999 und im Jahr 2000 fanden dort jeweils 3 Bruten statt, die man zu wissen¬schaftlichen Zwecken verfolgen kann. Eine Zweitbrut im Schrank endete mit dem Tod von 3 fast flüggen Jungvögeln, die durch Wegzug der Altvögel am 25.08. leider ohne Nahrung dem Hungertot erlagen.

Nach Erneuerung von Schwemmsand- Abbruchkanten und den Bau der Betonwand konnten 1998 - 314, 1999 - 371 und im Jahr 2000 - 549 beflogene Röhren notiert werden, in den Folgejahren ging die Population zurück, die sich erst im Jahr 2005 mit 290 beflogenen Röhren etwas erholte und 2007 auf 383 anstieg. Das Jahr 2008 brachte im gesamten Bereich 268 beflogene Röhren.

Schwemmsandhügel

Schwemmsandhügel werden mit schwerer Technik der Kieswerke regeneriert. Durch Witterung im Winter rutschen die Abbruchkanten ab und müssen beseitigt werden. Diese abgetragenen Sandmassen werden an anderer Stelle wieder zu neuen Sandhügeln aufgebaut um neue Abbruchkanten herstellen zu können.

In der Schwemmsandkolonie, im Süden des Bielener Sees, hielt im Jahr 2000 ein Fuchs Einzug, er grub 9 Brutröhren der Schwalben aus und richtete sich häuslich ein. Versuche den Räuber zu vertreiben, ohne den Uferschwalben noch größeren Schaden zuzufügen, scheiterten.

Wir werden weiterhin mit allen Kiesabbaubetrieben des Gebietes bemüht sein, den Uferschwalben so viel wie möglich Brutmöglichkeiten anzubieten, Abbruchkanten zu schaffen, die optimale Sicherheit zum Bau von Brutröhren bringen.
Haben wir doch mit unserem Kiesseen der oberen Goldenen Aue im Binnenland eine der größten Uferschwalbenpopulationen Mitteleuropas, diese zu erhalten und zu fördern sollte uns ein Auftrag im Sinne des Naturschutzes sein.

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